auf dieser Seite möchte ich Ihnen ein fast schon vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte präsentieren. Es geht um die vielen Cubaner, welche in zahlreichen größeren Städten der DDR als Gastarbeiter in Industriebetrieben tätig waren. Auch in Staßfurt kamen sie zum Einsatz. Durch langjährige Freundschaften konnte ich bereits dreimal ihr Heimatland besuchen und war erstaunt über die Gastfreundschaft der Menschen in Cuba.

Españiol






Die Gastarbeiter aus Cuba in Staßfurt


In den 1980-er Jahren arbeiteten im VEB Achslagerwerk Staßfurt cubanische Gastarbeiter. Hintergrund dafür war der Mangel an Arbeitskräften in der Produktion der DDR sowie der Aufbau von Industriezweigen in Cuba nach dem Vorbild der sozialistischen Länder Europas. Während Cuba vom Wissen der heimkehrenden Gastarbeiter profitierte, schlossen diese Arbeitskräfte hierzulande teilweise die Lücke von fehlenden Arbeitskräften, was jedoch offiziell nie so angegeben wurde. Der Einsatz der Gastarbeiter in der DDR dauerte jeweils vier Jahre, sie waren während dieser Zeit in Arbeiterwohnheimen untergebracht. In Staßfurt, sowie auch in vielen anderen Kleinstädten, befanden sich diese meistens in neuerrichteten Plattenbauvierteln in unmittelbarer Nähe zur einheimischen Bevölkerung. Sie konnten regelmäßig und unproblematisch Besuch empfangen, im Staßfurter Wohnheim war dafür lediglich eine Unterschrift in dem beim Pförtner des Heimes ausliegenden Besucherbuch zu tätigen. Nach einem kurzen Intensivkurs in der deutschen Sprache, den sie meistens recht gut abschlossen, erfolgte ihr Einsatz in den Betrieben, auch hier arbeiteten sie unmittelbar mit ihren deutschen Kollegen zusammen. Im Allgemeinen genossen sie ein recht unbeschwertes Leben, es gab aber auch Regeln, die strikt einzuhalten waren. So folgte bei schwerem Fehlverhalten die sofortige Ausweisung aus der DDR, was weitere Konsequenzen für den Betroffenen in Cuba nach sich zog. Nur einem Bruchteil der Gastarbeiter traf diese Sanktion. Außerdem war es unter Anderem unverständlicherweise verboten, Gottesdienste zu besuchen. Rückblickend lässt sich schlussfolgern, dass die cubanischen Gastarbeiter durchaus eine kulturelle Bereicherung in Staßfurt und den vielen anderen Einsatzorten darstellten.


Unter den in Staßfurt tätigen Gastarbeitern waren auch Everardo Diaz Navarrete und Benjamin Alcaides Cornes, die von Juli 1984 bis Juli 1988 hier lebten und arbeiteten, sowie Victor Luis Garcia Veliz, der von März 1986 bis Dezember 1987 in Staßfurt wohnte. Gleich zu Beginn ihres hiesigen Aufenthaltes lernten wir uns kennen und schlossen miteinander Freundschaften. Nach dem Ende ihrer Aufenthalte in der DDR kehrten sie, nun im Alter von fast dreißig Jahren, in ihr Heimatland Cuba zurück, gründeten dort Familien und schufen sich ihr eigenes Zuhause. Doch unsere Kontakte rissen nie ab, zunächst geschah dies nur durch Briefwechsel, später ergänzten Telefon und e-Mail die Möglichkeiten unserer Kommunikation. Gern nahm ich ihre Einladungen an, sie in Cuba, privat untergebracht in ihren Häusern, besuchen zu dürfen.


Everardo Diaz Navarrete
aus Santa Clara
Benjamin Alcaides Cornes
aus Corralillo
Victor Luis Garcia Veliz
aus Nuevitas

Von den ehemals etwa einhundert cubanischen Gastarbeitern, die im Zeitraum von 1980 bis 1990 in Staßfurt lebten und arbeiteten, hat ein kleiner Teil, bedingt durch entstandene familiäre Bindungen, nun dauerhaft hier in Staßfurt eine neue, zweite Heimat gefunden. Es sind dies unter anderem Victor Roldan Arias, Alexis Izquierdo, Jose Rodriguez Gomez, Francisco Rodriguez Artiles, Eugenio Griñan Hernandez, Fidel Garcia und Pedro Cano Martinez.






Bilder aus Santa Clara aus dem Jahre 2015


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Innenstadt
Theater in der Altstadt
Marktplatz in der Altstadt
Theater in der Altstadt
Boulevard
Tren Blindado
Übersicht
Bahnhof
Kirche in der Altstadt
Innenansicht der Kirche
Monument und Grabmahl des Che Guevara
Monument und Grabmahl des Che Guevara, Rückseite
Monument und Grabmahl des Che Guevara, ewige Flamme
Neubauten am westlichen Stadtrand
Altstadtansicht



Reisebericht: Cuba 2015 (nach Santa Clara)


Meine zuletzt durchgeführte Reise ging nach Santa Clara, zu Besuch meines Freundes Everardo Diaz Navarrete, im Frühjahr des Jahres 2015. Auch diesmal kam Victor Garcia Veliz, um gemeinsam mit uns einige schöne Tage in dieser Großstadt in der Mitte des Landes Cuba zu verbringen. Es gab so viel zu endecken und zu unternehmen, dass die Zeit wieder einmal nicht ausreichte. Von meinen cubanischen Freunden wurde ich auch dieses Mal herzlich empfangen und während der gesamten Zeit bestens verpflegt. Gemeinsam unternahmen wir viele Ausflüge, von denen vor allem der Besuch des Touristengebietes "Las Brujas", einer Insel, etwa 120 Kilometer nordöstlich von Santa Clara, in schöner Erinnerung bleiben wird. Diese Insel ist durch einen fast 40 Kilometer langen Damm, der im Meere aufgeschüttet wurde, zu erreichen. Schon die Anfahrt über diese Straße mitten im Wasser war beeindruckend. Das Festland selbst ist von diesem Eilande aus nicht mehr zu erkennen. Traumhafte Strände wie aus dem Katalog, stahlblauer, wolkenloser Himmel und kristallklares, azurblaues Wasser erzeugen ein paradiesisches Flair. Touristisch ist dieses Feriengebiet sehr gut erschlossen, es gibt sogar einen Regionalflughafen. Auch die Großstadt Santa Clara, sie hat mehr als 240000 Einwohner im Jahre 2015, lässt an das Aufkommen von langer Weile überhaupt nicht denken. Diese Stadt wurde, wie die meisten anderen in Cuba, planerisch angelegt. Das quadratische Straßenmuster auf dem Stadtplane gibt dies deutlich zu erkennen. Santa Clara hat, verglichen mit der Einwohnerzahl anderer Städte, enorme Flächenausdehnungen. Dies kommt von der überwiegend ein- bis zweigeschossigen Bauweise der Häuser. Die City wird von einem autobahnähnlichen Ring umschlossen, von diesem führen ebenfalls vierspurige Straßen ins Umland sowie in den Ortskern selbst. Außerhalb des Straßenringes gibt es mehrere fünf- bis sechsgeschossige, moderne und farbenfrohe Plattenbaugebiete, welche zur Zeit noch erweitert werden. in der Innenstadt bilden jedoch nur wenige markante hohe Gebäude oder Hochhäuser auffällige Orientierungspunkte. Es ist für Besucher schwierig, in diesem Gewirr von engen Straßen und rechtwinkligen Kreuzungen, den Überblick zu behalten. Santa Clara ist eine Universitätsstadt, es gibt zahlreiche wunderschöne Kirchen, einen Boulevard sowie etliche Kultureinrichtungen. Mehrere Hotels, von denen das "Los Caneyes" besonders erwähnenwert ist, bieten Übernachtungsmöglichkeiten. Auf dem Bahnhof, von dessen Gleisdreieck aus drei Strecken führen und dem sich ein großer Güterbahnhof anschließt, findet ein reger Bahnverkehr statt. Unbedingt anzusehen ist das historische Zentrum Santa Claras, enge, geradlinige Straßen, ein herrlicher Marktplatz und viele frisch sanierte, alte Gebäude, Pizzastuben, Restaurants, Geschäfte und Flohmärkte laden zum Verweilen ein. Als ein Ausgangspunkt der Revolution in Cuba gilt der Tren Blindado in Santa Clara, ein Zug mit Waffen der Regierungsarmee des gehassten Batista-Regimes, der unter der Führung von Che Guevara gestoppt und erbeutet wurde. Einige Waggons dieses Zuges wurden restauriert und sind in einem Denkmal am Ort des Geschehens integriert. Sie sind begehbar, in ihnen kann man Textdokumente sowie andere Zeitzeugen der Revolution sehen. In unmittelbarer Nähe des Straßenringes um die Innenstadt befindet sich das Monument des großartigen Che Guevara, dessen Gebeine man hier, nachdem sie in den 1990-er Jahren in Bolivien gefunden wurden, beigesetzt hat. Im Monument gibt es neben dem Mausoleum noch ein Museum mit Zeitzeugen der Revolution, außerhalb befindet sich eine Parkanlage, unter anderem mit einer ewigen Flamme.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass auch diese Reise ein unvergessliches Erlebnis für mich bleiben wird! Folgend einige Bilder dieser Cuba- Reise:




Everardo (links) und Victor (rechts)


Das Essen war wieder einmal Spitze!



Everardos Tochter Yara (links), rechts ihr Freund


Victor (links) und Everardo (rechts)



Schnitzereien an Bäumen


Traumhafter Strand in Las Brujas






Reisebericht: Cuba 2010 (nach Corralillo)


Im Jahre 2010 bin ich ein zweites Mal nach Cuba gereist, nun einer Einladung von Benjamin Alcaides Cornes folgend, ihn in seiner Heimatstadt Corralillo in der Provinz Villa Clara zu besuchen. Auch diesmal kamen wieder meine beiden anderen Freunde Victor Luis Garcia Veliz sowie Everardo Diaz Navarrete, nun nach Corralillo, um gemeinsam eine wunderbare und unvergessliche Zeit zu verbringen. Dabei fiel mir auf, dass sich in dem Zeitraum von 21 Jahren, die zwischen meiner ersten und meiner zweiten Reise nach Cuba lagen, viel in Cuba zum Positiven geändert hat. Die folgenden Bilder zeigen einige Impressionen meiner Reise nach Corralillo, einer beschaulichen Kleinstadt in der nördlichen Mitte von Cuba gelegen und ungefähr vier Kilometer vom Strand des Atlantischen Ozeans entfernt. Deutlich ist die reißbrettförmige Anlage der Straßen und damit die planmäßige Enstehung der Stadt zu erkennen. Eine Hauptstraße durchzieht zusammen mit mehreren parallel verlaufenden Nebenstraßen sowie rechtwinklig angeordneten Querstraßen den Ort. Überwiegend prägen eingeschossige Wohnhäuser das Stadtbild, am östlichen Ortsausgang sind auch einige viergeschossige Plattenbauten zu finden. Corralillo besitzt eine Poliklinik, einen Kindergarten, eine Schule, eine Kirche sowie mehrere kulturelle Einrichtungen. Etwa zehn Kilometer außerhalb Corralillos liegt das durch seine Thermalquellen bekannte Hotel Elguea, dessen medizinisch betreute Kur- und Wellnessangebote gern von Touristen angenommen werden. Das Thermalwasser, welches in mehreren eingefassten Quellen auf dem Hotelgelände zu Tage tritt, besitzt eine Temperatur von ungefähr 50° Celsius. Die nächsten größeren Orte in der Umgebung Corralillos sind die etwa 120 Kilometer südöstlich entfernte Großstadt Santa Clara sowie das etwa 100 Kilometer westlich entfernte und durch seine traumhaften Strände und den internationalen Flughafen bekannte Varadero. Hier in Corralillo verbrachte ich eine schöne Zeit im Hause von Benjamin Alcaides Cornes.




Der Ortseingang von Corralillo, von Osten kommend.


Die Hauptstraße von Corralillo, ruhig nur am Sonntag.



Sonntags feierten wir Gottesdienst.


Die St. Petri- und Pauli- Kirche von Corralillo.



Sogar die Glocke durfte ich läuten!


Benjamin Alcaides mit seinem Sohn.






Reisebericht: Cuba 1989 (nach Nuevitas)


Die anschließenden Bilder stammen von meiner ersten Cuba- Reise im Jahre 1989 nach Nuevitas in der Provinz Camagüey. Hier wurde ich herzlich im Hause von Victor Luis Garcia Veliz aufgenommen und verbrachte unvergessliche Wochen, zumal auch meine anderen cubanischen Freunde in dieser Zeit nach Nuevitas gekommen waren. Cuba erlebt man nur dann richtig, wenn man bei Freunden aufgenommen wird. Dies war noch zu DDR- Zeiten, schon deshalb etwas ganz Besonderes. Nuevitas ist eine etwas größere Kleinstadt im nördlichen Osten von Cuba, direkt am Strand gelegen. Vor den Stränden bremsen zahlreiche kleine Inseln die starke Brandung des Atlantischen Ozeans aus. Etwas außerhalb der Stadt befindet sich das Zementwerk Nuevitas, welches Spezialisten aus der DDR errichteten. Nuevitas wurde planmäßig angelegt, die rechtwinklig verlaufenden Straßen zeugen davon. In der Stadt gibt es Kindergärten, medizinische Versorungseinrichtungen, Schulen, eine Kirche, einen Bahnhof der Bahnstrecke Nuevitas- Camagüey, ein Kulturhaus sowie einen Radiosender. Das Stadtbild prägen überwiegend ein- und zweigeschossige Gebäude, am Stadtrand befindet sich ein aus fünfgeschossigen Wohnblöcken bestehendes Plattenbaugebiet. Der nächstgrößere Ort ist die etwa 80 Kilometer südlich gelegene Provinzhauptstadt Camagüey. Nuevitas wird durch Touristen eher selten besucht, ist aber ein durchaus sehenswerter Ort, in dem ich wunderbare Wochen verbrachte. Die Bilder besitzen nicht die beste Qualität. Dies resultiert daher, dass sie einerseits schon sehr alt sind, außerdem haben sie die damalige Handgepäckkontrolle am Flughafen auf der Rückreise nicht gerade bestens überstanden.





Besuch in Havanna bei Victors Bekannten.



Victors Schwester Anna, die gute Seele im Haus in Nuevitas.



Die Kirche von Nuevitas.



Das Haus der Familie von Victor Luis Garcia Veliz.



Der Atlantische Ozean, etwa einhundert Meter entfernt vom Wohnhaus.





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